Vorwort: Bevor du dein Gewerbe anmeldest und Kosten entstehen – überlege dir gut, was du herstellen bzw. verkaufen möchtest. Ein kleiner Plan über zu erwartende Umsätze und Kosten für den Wareneinkauf etc. (Businessplan) sind gut zu überdenkende Punkte. Ein Gewerbe meldet man nicht einfach mal so an. Es ist mit viel Aufwand verbunden. Dazu solltest du bereit sein.


Kleiner Tipp: Sprich mit dem zuständigen Finanzamt. Man kann Kosten, die bis zu 3 Monate VOR der Gewerbeanmeldung entstehen werden – um dieses Gewerbe zu starten – absetzen. Somit kannst du diese Kosten in die Abrechnung einfließen lassen (die Beitragsrechnung des Vereins zählt z.B. schon dazu) Buchhalterisches Wissen ist als Unternehmer also unerlässlich.

Bevor du an den Start und Verkauf deines Spielzeugs oder Materials gehst, solltest du deine Unterlagen und Dokumentationen beendet haben. Wir empfehlen dir als Hilfestellung den Leitfaden von unserer Fachkraft für Spielzeugsicherheit – Kerstin Jess. Ihn findest du ebenfalls im Mitgliederbereich oder HIER


 

Nun kann es losgehen:

1. Gewerbeschein:

Dieser ist beim zuständigen Gewerbeamt deines Ortes zu beantragen. Die Kosten dafür liegen zwischen 10€ bis zu 50€ je nach Behörde. Die Gewerbeämter bieten auch schon Onlineformulare an. Zur Beantragung bitte Personalausweis oder Reisepass mitbringen.

Deine Daten gehen dann in Kopie an das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft, das statistische Landesamt und je nach Anmeldeart auch an die Handwerkskammer sowie IHK.

Es gibt 2 verschiedene Gewerbe-Formen:
• Die einkommensteuer-, umsatzsteuer- und gewerbesteuerpflichtige Variante
• Die umsatzsteuerbefreite Variante >> ein Gewerbe mit Kleinunternehmerregelung

 

2. Finanzamt:

Nach der Übermittlung vom Gewerbeamt, schickt dir das Finanzamt ein Formular zu.
Der „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ist die Grundlage dafür, dass du für die Dauer der Selbstständigkeit 1 Mal im Jahr eine Einkommenssteuererklärung abgeben musst.

Hilfe bei diesen Vorgängen kannst du beim Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater bekommen. Nach der Einsendung des Fragebogens bekommst du die Steuernummer für dein Gewerbe.

 

3. IHK

Mit der Gewerbeanmeldung wird sich auch die IHK mit einem Formular melden. Du wirst automatisch Pflichtmitglied und musst die voraussichtliche Umsatzgröße angeben.


Kleiner Tipp: Gebe deine Umsatzschätzungen beim Finanzamt wie auch bei der IHK niedrig an.
Sonst läufst du Gefahr, dass du evtl. Vorauszahlungen leisten musst.

 


 

4. Berufsgenossenschaft

Sicherheitshalber solltest du die zuständige Berufsgenossenschaft innerhalb einer Woche nach Gewerbeanmeldung bzw. Aufnahme der selbständigen Tätigkeit informieren, auch wenn es gängige Praxis ist, dass die Gewerbeämter die Gewerbeanmeldungen an die Berufsgenossenschaft versenden.

Wenn du dich bei der Berufsgenossenschaft meldest, erhältst du auch hier einen Fragebogen zu Unternehmensbeschreibung, der beantwortet und zurück geschickt werden muss.

Aber es gibt Entwarnung: Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft fallen nur an, wenn du selbst dort versichert bist oder wenn du Mitarbeiter beschäftigst. Die Beiträge dafür würdest du alleine als Unternehmer tragen.

 

5. Versicherung

Wenn du Ware in den Verkehr bringst und Verkaufst – ist es unerlässlich eine Versicherung abzuschließen.
Die Beiträge dazu variieren auch sehr stark von Versicherungsgesellschaft zur Nächsten. Folgende Teile sollte sie beinhalten:

  • Betriebshaftpflicht
  • Produkthaftpflicht
  • Rechtschutz

Es empfiehlt sich, explizit anzugeben was du herstellst. Bitte vergiss dabei keine Teile des Sortiments oder der Warengruppen, die vielleicht später im Falle eines Schadens nicht getragen werden.

 

6. Verpackungslizenz

Laut Verpackungsverordnung müssen Verpackungen (z.B. Karton und Füllmaterial) – sofern sie von einem Vertreiber oder Händler an einen Endverbraucher versendet werden – lizensiert werden.

Ziel dieser Verordnung ist es, dass Verpackungen wiederverwendet oder eingespart werden. (im Onlineversand kommt Letzteres weniger in Frage)
Soweit so gut.

Ab 01.01.2019 sind Onlinehändler zusätzlich verpflichtet, sich vor dem Inverkehrbringen bei der neu eingerichteten „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ mit Namen, Kontaktdaten etc. zu registrieren (§ 9 Abs. 1 S. 1 VerpackG).

Du gehst wie folgt vor:

1. Registrierung bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister.

2. Erst dann kann sich der Online-Händler an einem „dualen System“ beteiligen, da er in dem Zusammenhang seine Registrierungsnummer nennen muss.

Es gibt einige Verpackungsfirmen, die Lizenzen pro Kalenderjahr ausstellen.
Hierzu lizensierst du eine bestimmte Menge an Verpackungsmaterial.
ODER
Du kaufst bereits lizensiertes Material (wie z.B. Kartons).

> über Beides bekommst du jeweils ein Zertifikat um nachzuweisen, dass du deine Verpackungslizenz bezahlt hast. Schaue nach und vergleiche was dir evtl. günstiger kommt.

 

7. Homepage/Onlineshop/Facebook-Fanpage

Um verkaufen zu können, bietet es sich natürlich an eine Homepage – im besten Falle sogar mit Onlineshop zu erstellen. Auch die Vermarktung über die Facebook-Fanpages sind sehr beliebt.

Wie du in die Öffentlichkeit trittst, ist dir überlassen. Es gibt eine Reihe kostenlose Homepage-Tools, aber auch professionelle kostenpflichtige Shops.

Überlege dir gut, was du investieren möchtest. Es gibt auch gesetzliche Anforderungen (siehe Punkt 8)

 

8. Rechtssicherheit im Onlinegeschäft

Es gibt eine Menge zu beachten, um nicht in eine Abmahnfalle zu geraten.
Außerdem erfordert die DSGVO besondere Achtsamkeit. (Punkt 9)
Es gibt eine Menge kostenlose Konfiguratoren und auch kostenpflichtige Services.
Für was du dich entscheidest, liegt ganz bei dir.

Wir bieten unseren Mitgliedern in einer Kooperation mit der IT-Recht Kanzlei 25% Rabatt auf das Starter – oder Premiumpaket an.

Hier erhältst du:
• Eine rechtssichere Ausgestaltung der AGB`s
• Widerrufsbelehrung
• Datenschutzerklärung
• Jede Menge News zu Rechtsgrundlagen & Textvorlagen
Bei Interesse schreib einfach eine Mail an maria@spiel-sicher.de – ich werde dir dann den Rabattcode zukommen lassen.

 


Kleiner Tipp: Gesetze, Verordnungen und Anforderungen an Gewerbetreibende ändern sich ständig.

Bleib` am Ball und passe deine Unterlagen demensprechend an.


 

9. DSGVO – Datenschutzgrundverordnung

Immer wieder in den Medien gefürchtet. Mit der DSGVO will die EU einen einheitlichen Rechtsrahmen für die Verarbeitung und Speicherung personenbezogener Daten schaffen.

Das heißt: dein Unternehmen hat eine erhöhte Dokumentationspflicht und du musst jederzeit in der Lage sein, die Rechtmäßigkeit deiner Datenverarbeitungstätigkeiten gegenüber Aufsichtsbehörden nachzuweisen.

Die DSGVO betrifft alle Unternehmen, die personenbezogene Daten von Mitarbeitern oder Kunden erfassen und speichern. Darunter fällt auch dein Gewerbe mit einem Newsletter, Onlineshop oder sogar einem Kontaktformular.

Eine richtig gute Hilfe bietet auch hier wieder die IT Recht Kanzlei, denn in wenigen Schritten kommst du als Kunde zu deiner rechtsicheren Datenschutzerklärung.

 


Solltest du beim Lesen dieses Leitfadens Fragen haben, dann benutze die „Suche-Funktion“ in unserer geheimen Facebook-Gruppe „Mitglieder Spiel sicher e.V.“ Viele Themen sind schon ausführlich behandelt worden, du darfst dich aber trotzdem gerne noch einmal an alle Mitglieder wenden.

©Maria Koch -07/2018-

 

Die Weitergabe dieses Dokuments -auch auszugsweise- ist untersagt! Mitglieder des Vereins Spiel Sicher e.V. können sich dieses Dokument im Passwort geschützten Mitgliederbereich der Vereins-Homepage herunterladen. Das Speichern des Dokuments auf dem PC ist erlaubt, sofern durch geeignete Maßnahmen (z.B. Errichten einer Firewall) der Zugriff durch Dritte unmöglich gemacht wird.